2018: Rekordwachstum im Kartengeschäft

Der Kartenumsatz in Deutschland stieg 2018 um fast 29 Mrd. € auf 379 Mrd. €. Diese Zunahme ist – historisch gesehen – im deutschen Kartengeschäft ein bislang einmaliger Rekordwert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht diese Zunahme einem Wachstum in Höhe von 8,5% (Vorjahr: 6,8%). Es handelt sich um die Umsätze, die in Deutschland vorwiegend mit Debit- und Kreditkarten in sämtlichen Branchen (nicht nur Einzelhandel) an physischen Ladenkassen und im Fernhandel getätigt wurden.

Fast 40% der Konsumausgaben, die in Deutschland für Kartenzahlungen potentiell geeignet sind, werden mittlerweile mit Karte getätigt. Dieser Anteil lag vor 10 Jahren noch bei ca. 27%.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Unternehmensberatung PaySys Consultancy GmbH in ihrer jährlich herausgegebenen Kartenmarktstatistik Deutschland.
Trotz dieses rasanten Wachstums ist der deutsche Kartenumsatz im europäischen Vergleich gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) weiterhin unterdurchschnittlich. Im Durchschnitt beträgt der Kartenumsatz in der Euro-Zone (ohne Deutschland) 18,4% des BIP, in Deutschland dagegen nur 11,1%. Bedingt durch die hohen Kartenumsätze in Großbritannien ist der Anteil in der EU (ohne Deutschland) sogar doppelt so hoch (22%) wie in Deutschland. Bei der Nutzung dieses Indikators (Kartenumsatz/BIP) ist allerdings zu berücksichtigen, dass in Deutschland viele Transaktionen, die im Ausland mit Karte getätigt werden, hier zu Lande effizient per Lastschrift erfolgen.

Die beiden Wachstumsträger für das Jahr 2018 waren der Umsatz, der über die internationalen Kartenmarken (Mastercard, Visa, American Express u.a.) generiert wurde (+19,7%) und der Umsatz mit dem nationalen Debitkartenverfahren girocard der deutschen Kreditwirtschaft (+15,1%).

Ein Großteil des Wachstums im girocard Scheme entstand durch die Substitution der konkurrierenden unterschriftsbasierten ELV-Transaktionen, die ebenfalls mit der girocard ausgelöst werden. Dieses Verfahren büßte 2018 ca. 15 Mrd. € Umsatz zugunsten des girocard-Zahlungssystems ein. Damit wurde das jahrzehntelange kontinuierliche Wachstum des ELV-Systems 2018 abrupt gestoppt. Der Grund für die Umsatzverschiebung ist der Preiswettbewerb. Bedingt durch gezielte Preissenkungen für die Akzeptanz der girocard verlor ELV, dessen Kosten relativ stabil blieben, für viele Händler an Attraktivität. Insgesamt zeigte das Wachstum der mit der girocard ausgelösten Transaktionen (girocard + ELV) für 2018 nur ein moderates Wachstum (+3,9%). Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) für den mit der girocard generierten Umsatz ist für die Periode 2013-2018 geringfügig höher (4,6%). Der Umsatz mit den Karten der internationalen Schemes (Mastercard, Visa u.a.) zeigt für die vergangenen fünf Jahre eine deutliche höhere CAGR (8,5%).

Diese statistische Entwicklung spiegelt eine deutliche Intensivierung des Wettbewerbs zwischen den Kartensystemen wider, die insbesondere durch die Interchange Fee Regulierung der EU (IFR 2015) ausgelöst wurde. Das inländische Debitkartensystem „girocard“ steht nicht nur im traditionellen Wettbewerb mit ELV, sondern neuerdings auch mit den internationalen Kartensystemen Mastercard und Visa. In zunehmendem Umfang geben Kreditinstitute Debitkarten heraus, die ausschließlich mit den Brands der internationalen Systeme ausgestattet sind. Ca. 10% der insgesamt 110 Mio. Debitkarten sind bereits mit dem Brand Mastercard oder Visa ausgestattet und stehen im direkten Wettbewerb zu den traditionellen girocards (co-badged mit Maestro oder V PAY). Auf der Issuing-Seite hat sich der Marktanteil (gemessen am Kartenumsatz exkl. ATM) seit 2013 kontinuierlich zugunsten der der internationalen Brands entwickelt (2013: 25,5%; 2018: 31,3%).

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