Bezahltrends im Handel 2020

Das Bezahlverhalten der Deutschen im stationären Handel hat sich in diesem Jahr stark verändert und wird auch nicht mehr zu dem Status vor der Pandemie zurückkehren. Dies hat eine repräsentative Umfrage der GfK im Auftrag von Mastercard ergeben, die nach 2019 nun zum zweiten Mal Einblicke in das Bezahlverhalten der Deutschen im stationären Handel gewährt.

Während knapp zwei Drittel der Deutschen (65%) angaben, bei der Bezahlung in Geschäften weniger Bargeld zu verwenden als ein halbes Jahr zuvor, bestätigten mehr als ein Drittel der Deutschen (35%), dass sie bei ihrem veränderten Bezahlverhalten bleiben und auch weiterhin vermehrt bargeldlos zahlen werden. Dieser Wandel vollzieht sich über alle Altersgruppen hinweg: 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und 46 Prozent der über 70-Jährigen wollen auch in Zukunft verstärkt auf Bargeld verzichten.

Treiber des Wandels sind kontaktlose Zahlungen. Denn nicht nur die Anzahl der Deutschen, die kontaktlos zahlen, steigt stark an. Laut der GfK-Umfrage sind dies inzwischen 58 Prozent, neun Prozentpunkte mehr als 2019. Es wird auch deutlich, dass Verbraucher die kontaktlos zahlen, dies sehr regelmäßig tun: Drei Viertel (75%) zahlen mindestens einmal in der Woche kontaktlos, fast jeder Fünfte (19%) mindestens einmal pro Tag. 76 Prozent zahlten in den vergangenen sechs Monaten öfter als zuvor kontaktlos und fast jeder Zweite (44%) immer, wenn möglich. Beim kontaktlosen Bezahlen ist die Karte die erste Wahl: 88 Prozent zahlen damit am liebsten. Bereits 12 Prozent setzen beim kontaktlosen Zahlen bevorzugt das Smartphone oder die Smartwatch ein.

Hatten die Verbraucher in der Befragung im vergangenen Jahr betont, dass sie gerne kontaktlos zahlen, weil es schnell und einfach funktioniert, kam in den vergangenen Monaten mit der Hygiene ein weiterer wichtiger Faktor hinzu. Schnelligkeit bleibt zwar mit 49 Prozent der wichtigste Grund, warum Deutsche kontaktlos zahlen. Jedoch gaben fast genauso viele Verbraucher (47%) an, dass kontaktlose Zahlungen hygienischer sind als andere Bezahlmöglichkeiten und sie diese deswegen gerne nutzen. 37 Prozent sehen vor allem die Einfachheit als Vorteil.

Peter Bakenecker, Division President für Deutschland und die Schweiz bei Mastercard: „Covid-19 hat zu massiven Veränderungen im Geschäfts- und Verbraucherverhalten geführt. Immer mehr Kunden nutzen digitale Möglichkeiten im Zahlungsverkehr und kontaktloses Zahlen ist mittlerweile zum Standard geworden. Dabei bekommt Mobile Payment einen immer höheren Stellenwert. Denn das Bezahlen mit mobilen Endgeräten ist besonders einfach und hygienisch. Zudem bietet die biometrische Authentifizierung auf dem Smartphone höchste Sicherheit für alle Transaktionen, ohne das Gerät bei der Zahlung aus der Hand zu geben oder eine PIN am Terminal eingeben zu müssen.“

Dieser Wandel im Bezahlverhalten hat auch zur Folge, dass inzwischen fast alle Kunden digitale Bezahllösungen in Geschäften erwarten. Neun von zehn Deutschen sind der Meinung, dass die Akzeptanz von Kartenzahlung in Geschäften als Serviceleistung dazugehören sollte. Mehr als jeder Vierte (26%) hat schon mindestens einmal ein Geschäft verlassen oder nicht betreten, weil nur Barzahlung akzeptiert wurde. Nicht besser ist es in den Augen der Kunden, wenn Kartenzahlung nur mit Mindestlimit akzeptiert wird: Hier sind es 27 Prozent der Deutschen, die einem Geschäft aus diesem Grund schon mindestens einmal den Rücken gekehrt haben.

Peter Bakenecker: „Mehr und mehr Kunden wollen inzwischen auch kleinere Beträge bargeld- und kontaktlos bezahlen. Von daher sollten auch kleine Händler kontaktlose Kartenzahlungen ohne Mindestlimit anbieten. So ermöglichen sie ihren Kunden Spontaneinkäufe, erhöhen ihren Umsatz und haben zufriedenere Kunden.“

Auch im Jahr 2020 schätzen die Deutschen weiterhin die Vorteile, die der stationäre Handel bietet. 76 Prozent (1 Prozentpunkt weniger als 2019) kaufen dort ein, weil sie die Waren direkt mitnehmen können. 58 Prozent (minus 5 Prozentpunkte) gehen in Geschäfte, weil sie die Dinge ausprobieren und anfassen wollen, die sie kaufen. Service und Beratung (39 Prozent, minus 6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) sowie der persönliche Kontakt (35 Prozent, Ergebnis wie 2019) sind den Befragten ebenfalls wichtig. Mehr als ein Drittel der Deutschen (34 Prozent, plus 4 Prozentpunkte im Vergleich zu 2019) ist zudem der Meinung, dass die Einkäufe im Laden schneller erledigt seien als online.

Kontaktloses Zahlen ist ein Faktor, der den Bezahlprozess an der Kasse beschleunigen und Wartezeiten verringern kann. Das sehen vier von zehn Deutschen (39%) so. 29 Prozent befürworten Self-Checkout als Lösung und jeder Vierte (26%) möchte Produkte im Geschäft per App selbst scannen und Kassen damit gänzlich vermeiden.

Frank Braatz (verantwortlich für das Programm der jährlich stattfindenden ProfitCard) veröffentlichte diesen Beitrag in der SOURCE 10/2020.

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