Bundesbank: Karte und kontaktlos im Trend

Viele Bürgerinnen und Bürger bezahlen vermehrt mit Karte. Entsprechend ist der Anteil von Bargeld am Umsatz auf 32 Prozent und der Anteil an den Transaktionen auf 60 Prozent gefallen. Dies geht aus der fünften Studie der Bundesbank zum Zahlungsverhalten in Deutschland hervor.

Der Anteil von Barzahlungen am Umsatz ist damit 2020 gegenüber 2017 (SOURCE 3/2018, S. 1) um 15,6 Prozentpunkte zurückgegangen. Eine so starke Veränderung hat es bei der Bundesbank-Studie, die seit 2008 durchgeführt wird, noch nie gegeben. Bei den Transaktionen ist der Bargeldanteil von 74,3 Prozent im Jahr 2017 auf 60 Prozent 2020 gefallen. Die girocard kam 2020 auf 23 Prozent der Transaktionen und 33 Prozent vom Umsatz. Dabei verliert das ec-Lastschriftverfahren (girocard mit Unterschrift) weiter an Bedeutung. Kreditkarten konnten ihren Transaktionsanteil auf 6,0 Prozent und ihren Umsatzanteil auf 11 Prozent steigern. Dies dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Kreditkarten – im Gegensatz zur girocard – auch im E-Commerce nutzbar sind.

Während kleinere Beträge zumeist noch mit Geldscheinen und Münzen bezahlt werden, setzen die Befragten ab 20 Euro stärker die Karte ein. Vor drei Jahren lag der „Schwellenwert“ für einen bevorzugten Karteneinsatz noch bei 50 Euro. Interessant: Bei Beträgen von mehr als 500 Euro nimmt die Präferenz für Karten wieder ab und die für Bargeld wieder zu, wobei gleichzeitig verstärkt auch Überweisungen und Lastschriften genutzt werden.

Von den Befragten besitzen nach eigenen Angaben 98 Prozent mindestens eine Debitkarte. Kreditkarten sind mit 58 Prozent immer noch weniger verbreitet, konnten aber gegenüber 2017 um 22 Prozentpunkte zulegen. 38 Prozent der Befragten gaben an, mehr als eine Debitkarte zu besitzen (2017: 10%), und 16 Prozent erklärten, zwei oder mehr Kreditkarten zu besitzen (2017: 5%).

Der Studie zufolge wird das kontaktlose Bezahlen per Karte immer mehr zur Normalität. Kontaktlose Kartenzahlungen machen inzwischen etwas mehr als die Hälfte aller Transaktionen mit der girocard oder Kreditkarte aus. 78 Prozent der Befragten, die eine kontaktlose girocard besaßen, nutzten sie zum Bezahlen. Bei kontaktlosen Kreditkarten waren es zwei Drittel der Befragten.

Burkhard Balz, das für den bargeldlosen Zahlungsverkehr zuständige Vorstandsmitglied der Bundesbank: „Mehr als ein Fünftel der Befragten, die kontaktlos bezahlten, probierte dies erstmals während der Corona-Pandemie aus.“ Ungefähr die Hälfte der Befragten begründete dies mit Hinweisen im Laden oder mit der besseren Hygiene. Dabei waren es vor allem Menschen über 55 Jahre und Frauen, die erstmals das kontaktlose Bezahlen nutzten.

Im Gegensatz zu kontaktlosen Kartenzahlungen sind Zahlungen mit dem Smartphone noch nicht in der Breite der Bevölkerung angekommen. Der Umfrage zufolge gaben im Durchschnitt nur 13 Prozent der befragten Smartphonebesitzerinnen und -besitzer an, schon mobil an der Kasse bezahlt zu haben. 70 Prozent der Kundinnen und Kunden, die nicht mobil zahlten, sehen keinen Bedarf dafür. Viele empfanden das mobile Bezahlen als zu unsicher oder zu kompliziert. Vor allem jüngere Menschen unter 34 Jahren zeigten sich offener und nutzten das Smartphone bereits häufiger zum Bezahlen.

Die Bundesbank führt seit 2008 regelmäßig detaillierte Studien zur Verwendung von Zahlungsmitteln durch. 2020 wurden dafür zwischen August und Oktober 5.022 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger einer repräsentativen Stichprobe per Telefon oder Online-Fragebogen befragt. Anschließend führten sie ein ein- oder dreitägiges Tagebuch, in welchem sie ihr Zahlungsverhalten dokumentierten.

Frank Braatz (verantwortlich für das Programm der jährlich stattfindenden ProfitCard) veröffentlichte diesen Beitrag in der SOURCE 02/2021.

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