Fico: Aktuelle European Fraud Map

Das Analytiksoftware-Unternehmen Fico hat Mitte September seine aktuelle European Fraud Map veröffentlicht. Die in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Euromonitor erstellte Karte bietet eine Übersicht der Entwicklungen im europäischen Kreditkartenbetrug im Jahr 2020. Daraus geht hervor, dass einige europäische Länder ihre Verluste durch Kreditkartenbetrug signifikant senken konnten. Allerdings gibt es auch Länder, bei denen der Trend genau in die Gegenrichtung geht.

Aktuell steht Norwegen massiv im Fadenkreuz der Finanzkriminellen. Während die Entwicklung in der Vergangenheit durchaus positiv war, ist der Verlust durch Kreditkartenbetrug im vergangenen Jahr durch einen massiven Betrugsfall auf umgerechnet rund 21,6 Millionen Euro gestiegen. Das entspricht einer Zunahme von knapp 46 Prozent seit 2017. Insgesamt hat in Norwegen – wie fast überall – der sogenannte „Card not present“-Betrug (CNP) den größten Anteil am gesamten Betrugsvolumen. Auch der großangelegte Angriff stützte sich auf CNP-Betrug nach Phishing-Attacken. Der Vormarsch von CNP-Betrug in den vergangenen Jahren lässt sich auf das starke Wachstum im Online-Shopping zurückführen, wobei zu hoffen ist, dass Lösungen wie 3D-Secure dazu beitragen, diese Entwicklung zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen.

In Deutschland geht der Trend mittlerweile – vor allem dank der zunehmenden Fokussierung auf kontaktloses Bezahlen – hin zur Zahlung mit Debit- und Kreditkarten. Und auch der E-Commerce boomt seit Beginn der Pandemie. So ist laut Auskunft des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh) der Bruttoumsatz im E-Commerce 2020 um 14,6 Prozent auf 83,3 Milliarden Euro gestiegen. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf den CNP-Betrug aus. Dieser befindet sich seit einiger Zeit wieder stark im Aufwind und erzielte im vergangenen Jahr mit 106,3 Millionen Euro Gesamtvolumen ein neues Allzeit-Hoch bei den Verlusten.

Jens Dauner, der die Aktivitäten von Fico in Deutschland leitet: „Im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Staaten hat Deutschland bereits begonnen, darauf zu reagieren. Deutschland kann einen der größten Zuwächse bei der Teilnahme am Fico Falcon Intelligence Network, dem weltweit führenden Konsortium zur Bekämpfung von Betrug im Zahlungsverkehr, verzeichnen. Damit setzen deutsche Banken auf den Einsatz von bewährten Analytik-Tools und Lösungen aus anderen Ländern, die dort bereits zu sinkenden Betrugsraten geführt haben.“

Insgesamt lässt sich feststellen: Obwohl viele Länder ein geringes – oder im Falle Norwegens sogar ein großes – Wachstum der Betrugsverluste verzeichnen mussten, konnten die absoluten Verluste europaweit im Vergleich zu 2019 doch immerhin um 62 Millionen Euro gesenkt werden. Besonders erfolgreich waren Großbritannien, das seine Betrugsverluste um nahezu 70 Millionen Euro reduzieren konnte, sowie Dänemark mit einer Senkung des Betrugsvolumens um rund 21 Millionen Euro.

Frank Braatz (verantwortlich für das Programm der jährlich stattfindenden ProfitCard) veröffentlichte diesen Beitrag in der SOURCE 10/2021.

Neueste Artikel

Cyber-Angriffe führen zu schwerwiegenden IT-Ausfällen in Kommunen, Krankenhäusern und Unternehmen. Sie verursachen zum Teil erheblichen wirtschaftlichen Schäden und bedrohen existenzgefährdend Produktionsprozesse, Dienstleistungsangebote und Kunden. Das sind zentrale Feststellungen des…
1991 legte Tim Berners-Lee den Schalter um für eine – wie er es in einem Antrag an seine Vorgesetzten bei der berühmten Schweizer Forschungseinrichtung CERN ursprünglich beschrieben hatte –…
Schnelles und flexibles Bezahlen mit dem Mobiltelefon per NFC ohne App und ohne Registrierung – und das auch mit Apple iOS: dafür hat Computop den neuen Service „Close-by“ entwickelt….

Kommentar oder kurze Frage loswerden?

Kein problem!

  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.