Online-Payment: Rechnungskauf legt weiter zu

Deutsche Online-Shopper wollen den Kauf schnell abschließen und bequem bezahlen – am liebsten mit der erst später fälligen Rechnung. Der Rechnungskauf bleibt 2019 die beliebteste Zahlungsart der Deutschen und konnte im Vergleich zum Vorjahr sogar an Umsatzteilen gewinnen.

32,8 Prozent aller Online-Käufe wurden per Rechnung bezahlt, 1,5 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Unter anderem E-Commerce-Riese Amazon.de hatte für diese Zahlungsart im Payment-Mix aktiv bei seiner Kundschaft geworben. PayPal belegt Platz zwei der umsatzstärksten Zahlungsarten und kommt auf 20,2 Prozent (0,7 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahr). Auf dem dritten Platz befindet sich das Lastschriftverfahren mit einem Umsatzanteil von 18,3 Prozent, 1,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Alle anderen Zahlungsverfahren liegen mit ihren Umsatzanteilen weiterhin deutlich unterhalb der 5-Prozent-Marke. Ratenkauf und Vorkasse kommen noch auf jeweils 3,9 Prozent. Sofortüberweisung liegt bei 1,8 Prozent und die Nachnahme bei 1,1 Prozent.

Die beiden Verfahren der Deutschen Kreditwirtschaft giropay und paydirekt rangieren unter „Sonstige“, die alle zusammen 3,2 Prozent Umsatzanteil auf sich vereinen.

Der mobil optimierte Checkout und die Einführung von Mobile-Payment-Lösungen im E-Commerce sind Themen, mit denen sich die Onlineshop-Betreibenden aktuell beschäftigen. Aktuell haben bereits 80 Prozent der Handelsunternehmen ihren Bezahlprozess für mobile Endgeräte optimiert. Die restlichen 20 Prozent gehen das Thema gerade an. Viele Handelsunternehmen planen die Einführung mobiler Bezahlverfahren wie Apple Pay (55%) und Google Pay (42%) in ihren Payment-Mix. Auch die Einführung chinesischer Bezahlverfahren wie WeChat Pay und Alipay steht bei einigen auf der Agenda.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur das Bezahlen am Point of Sale verändert, auch im E-Commerce führt sie zu Verschiebungen im Payment-Mix. Das hat die zusätzliche qualitative Befragung der Handelsunternehmen ergeben. Fast zwei Drittel der befragten Händler konnten im Zeitraum März bis April 2020 ein verändertes Nutzerverhalten beim Onlineshopping feststellen. Dabei wurde PayPal als schnelle und bequeme Zahlungsart in diesem Zeitraum verstärkt von Kunden genutzt. Einige Handelsunternehmen mussten während des Lockdowns auch ihre Omnichannel- Zahlungsarten aus dem Payment-Mix entfernen, beispielsweise die Nachnahme. Viele Onlineshop-Betreiber sind sich allerdings sicher, dass die Kunden in Zukunft vermehrt online einkaufen werden.

Das EHI weist darauf hin, dass die bevorstehende Deadline der Payment-Services-Directive 2 (PSD 2) und starken Kundenauthentifizierung (SCA) bis zum 31.12.2020 trotz Corona-Krise nicht von der Prioritätenliste der Händler verschwinden sollte. Ende Juni 2020 wurde bekanntgegeben, dass die Deadline kein weiteres Mal verschoben wird (SOURCE 7/2020, S. 7).

Zum Zeitpunkt der Befragung nutzten noch 51 Prozent der Handelsunternehmen, die das 3D-Secure-Verfahren einsetzen, die Version 1.0. Im Umkehrschluss heißt das, dass  gut die Hälfte der Handelsunternehmen innerhalb der nächsten sechs Monate noch auf das 3D-Secure-Verfahren 2.0 umstellen muss, um die Anforderungen der PSD 2 zu erfüllen.

Die EHI-Studie „Online-Payment 2020“ beinhaltet Daten von 107 Onlinehändlern (Pureplayer und Omnichannel-Handelsunternehmen) unterschiedlicher Branchen und Umsatzgrößen. Davon flossen Angaben von Unternehmen mit einem Nettoumsatz in Höhe von insgesamt 23,7 Milliarden Euro in die Berechnung der Marktanteile der Zahlungsarten ein.

Frank Braatz (verantwortlich für das Programm der jährlich stattfindenden ProfitCard) veröffentlichte diesen Beitrag in der SOURCE 08/2020.

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