Sparkassen-Finanzgruppe sieht Wachstum von 0,9 Prozent für 2020

Die Sparkassen-Finanzgruppe geht davon aus, dass der deutsche Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Dekade im laufenden Jahr wiederbelebt, stabilisiert und in 2021 fortgeführt werden kann. „Die Chefvolkswirte unserer Gruppe prognostizieren für 2020 ein Wachstum von 0,9 Prozent. Dieser Wert ist aber von einem Kalendereffekt geprägt. 2020 ist ein Schaltjahr, indem viele Feiertage auf die Wochenenden fallen. Dies trägt rechnerisch zur Wachstumsrate bei“, so Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), anlässlich der Vorstellung der Konjunkturprognose in Berlin.

Laut amtlichen Angaben wird der Kalendereffekt mit 0,4 Prozentpunkten angesetzt. „Die konjunkturellen Perspektiven für das laufende Jahr sind schwächer als die BIP-Zahl mit ihrem technischen Rückenwind vermittelt.“, so Schleweis. Als die wesentliche gute Nachricht bewertete der DSGV-Präsident, dass der deutsche Wachstumsmotor gegenüber den schwachen letzten drei Quartalen von 2019 nun, wenn auch verhalten, wieder anspringe.

Darauf gründet auch die Prognose für das folgende Jahr. Schleweis: „Die von uns erwarteten 1,1 Prozent für 2021 sind dann echtes Wachstum“. Schon in den vergangenen Wochen habe sich die Stimmung deutlich verbessert, zuletzt habe etwa der ZEW-Konjunkturindex einen Sprung nach oben gemacht. Grund hierfür sei insbesondere die leichte Entspannung durch das zwischen den USA und China vereinbarte erste Handelsabkommen. „Die begonnene De-Eskalation muss unbedingt fortgeführt werden. Die Rückkehr zu einer multipolaren, von Regeln und Vertrauen geprägten Handelsordnung ist von entscheidender Bedeutung für eine von Wachstum geprägte Entwicklung der Weltwirtschaft“, so der DSGV-Präsident.

Freier Handel sei gerade für die deutsche Wirtschaft enorm wichtig, sagte Dr. Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die stellvertretend für die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe die Konjunkturprognose in diesem Jahr mit Schleweis vorstellte. „Deutschland war in den vergangenen Jahrzehnten ein Globalisierungsgewinner. Dies liegt an dem hohen Offenheitsgrad und dem hohen Anteil des Verarbeitenden Gewerbes, also der Industrie am deutschen Sozialprodukt. Sollte sich der ‚Zeitgeist‘ zugunsten von Abschottung und Industriefeindlichkeit verfestigen, wäre Deutschland besonders betroffen und würde wieder zum kranken Mann Europas“, so Traud weiter.

Um dies zu verhindern, plädierte die Helaba-Chefvolkswirtin für Vorschläge zu einer neuen Zollsenkungsrunde. „Mit Blick auf die durchschnittlichen Zollsätze muss man US-Präsident Trump recht geben: der internationale Handel ist nicht ,fair‘. Europa hat im Durchschnitt höhere Zölle als die USA. Man sollte Trump also ein Angebot für eine neue Zollsenkungsrunde unterbreiten, bevor er mit uns das macht, was er mit China in den letzten beiden Jahren exerziert hat“, so Traud.

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