Seit dem 14. September 2019 soll die neue EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) durch eine verbesserte Kundenauthentifizierung für mehr Sicherheit beim Bezahlen im Internet sorgen. Außerdem soll der Zugang zu Kunden- und Transaktionsdaten für dritte Parteien (Open Banking) den Wettbewerb in der Finanz-dienstleistungsbranche ankurbeln. Die neue Auflage der ECC-Payment-Studie, eine Initiative des ECC Köln in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Malte Krüger, widmet sich daher dem Einfluss der starken Kundenauthentifizierung auf den Händlerumsatz und zeigt: Mehr als drei Viertel der Onlinehändler sehen mit der Einführung der PSD2 mehr Nachteile für sich als Unternehmen als Vorteile.

Die Ergebnisse der aktuellen ECC-Payment-Studie zeigen, dass zum Zeitpunkt der Umfrage im November 2019 die Hälfte der Händler noch keine PSD2-Anpassung vorgenommen hatten. Gründe hierfür waren bei 34 Prozent der Befragten die Komplexität der technischen Anpassung und die Angst vor mehr Kaufabbrüchen (33%). Diese Sorgen scheinen nicht unberechtigt, denn Onlinehändler verzeichnen eine erhöhte Komplexität des Zahlungsvorgangs für Kundinnen und Kunden (44%) und ein erhöhtes Serviceaufkommen (43%).

Dr. Thomas Krabichler, Senior Manager Treasury bei der MediaMarktSaturn Retail Group, im Experteninterview zur ECC-Payment-Studie: „Man mutet mit der PSD2 dem Kunden mehr zu und entlastet sogar eher die Händler und die Banken. Diese sind aber gar nicht unbedingt so glücklich darüber, weil der Rückgang an Conversion und Convenience mehr kaputt macht als zuvor durch Sicherheitsprobleme an Schaden entstanden ist.“

Auf der Konsumentenseite ist die PSD2-Thematik noch wenig präsent: Weniger als die Hälfte der Verbraucher haben schon einmal von der neuen EU-Zahlungsdiensterichtlinie gehört und jeder Dritte befürchtet, dass die PSD2 das bargeldlose Bezahlen komplizierter machen wird. Eine Lösung erhoffen sich Konsumenten durch neue biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung und sprechen diesen eine hohe Relevanz für die Zukunft zu. Während 11 Prozent der Verbraucher angeben, in Folge der PSD2 weniger online einzukaufen, glauben 7 Prozent der Befragten, künftig sogar mehr online einzukaufen. Darüber hinaus schließen die Verbraucher eine Freigabe von Kontoinformationen für Drittanbieter nicht aus, am ehesten bei einer Auto- oder Immobilienfinanzierung. Zudem werden auch große Internetkonzerne (Amazon, Google etc.) als potenzielle Anbieter von Finanzdienstleistungen akzeptiert.

Für die „ECC-Payment-Studie Vol. 24 – Banken vs. FinTechs – Kundenzentrierung neu denken“ hat das ECC Köln in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Malte Krüger 1.501 deutsche Konsumenten im Oktober und November 2019 befragt. Darüber hinaus wurde zeitgleich eine Umfrage unter 336 deutschen Onlinehänd-lern durchgeführt. Experteninterviews ergänzen die Befragung. Die ECC-Payment-Studie nimmt bereits zum 24. Mal die Bekanntheit, Nutzung und Bewertung von Zahlungsverfahren sowie Trendthemen im Payment-Markt aus Sicht von Onlineshoppern und Shopbetreibern unter die Lupe.

Dieser Artikel wurde von Frank Braatz (Mitglied des Programmbeirats der ProfitCard) in der SOURCE 06/2020 veröffentlicht.

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