PaySys analysiert Folgen der Abschaffung von Interchange-Entgelten

Nur noch bis zum 21. Juni 2008 fließen für die kartenherausgebenden Kreditinstitute noch die sogenannten Interchange-Entgelte für grenzüberschreitende Transaktionen mit der Kreditkarte MasterCard und der Maestro-Karte, die in europäischen Ausland getätigt werden. Das ist die direkte Folge einer wichtigen Entscheidung der Europäischen Kommission gegen die Kartenorganisation MasterCard vom 19. Dezember 2007, wonach diese Interbanken-Verrechnungspreise den Wettbewerb im Kartengeschäft unzulässig einschränken und damit gegen Artikel 83 des Europa-Vertrags verstoßen. Die europäische Kartenbranche hatte in der von der Kommission gewährten Übergangszeit (6 Monate) noch auf einen Kompromissgehofft, aber MasterCard verkündete letzte Woche, dass die Interchange-Entgelte ab dem 21. Juni 2008 ohne Alternative auf Null gesetzt werden. Es wird erwartet, dass die Kommission bei der noch laufenden Prüfung der Interchange- Entgelte der Konkurrenzorganisation Visa zu einem ähnlichen Ergebnis kommt. Die nationalen Kartellbehörden werden voraussichtlich ebenfalls die Interchange-Entgelte für die inländischen Transaktionen unter Beschuss nehmen. Der erste Domino-Stein ist nun gefallen. Für das deutsche Kartengeschäft sind die Folgen der ab 21. Juni 2008 geltenden Null-Interchange-Regelung von MasterCard für grenzüberschreitende Transaktionen noch moderat, wie eine Modellrechnung der Unternehmensberatung PaySys Consultancy zeigt. Durch die Streichung der Interchange-Gebühren für grenzüberschreitende Kaufumsätze, die mit einer MasterCard (mit Ausnahme der sogenannten Commercial Cards) oder Maestro-Karte in Europa getätigt werden, verlieren die kartenherausgebenden Banken derzeit insgesamt ca. 55 Mio. Euro pro Jahr Die Kreditkarte MasterCard ist – bedingt durch die relativ hohen Auslandsumsätze – mit ca. 3,60 Euro pro Karte am meisten betroffen. Es ist davon auszugehen, dass die Banken diesen Einnahmeverlust durch Preiserhöhungen oder durch die Reduzierung der Bonifizierung von Kartenumsätzen (z. B. durch Erstattung der Jahresgebühr, die Vergabe von Payback-Punkten oder Lufthansa-Miles) wettmachen werden. Die Debitkarte „girocard“ – die neue Bezeichnung für die herkömmliche ec Karte -, die traditionell noch mit dem Maestro-Logo für den Einsatz im Ausland ausgestattet ist, verliert jährlich nur ca. 0,15 Euro pro Karte. Im Hinblick auf diesen geringen Einnahmenverlust stellt sich die Frage, ob die angebliche Drohung einiger Kreditinstitute, ausländische Maestro-Umsätze nicht mehr zu autorisieren, eine angemessene Reaktion wäre. Die Händler-Seite des deutschen Kartengeschäfts ist durch die Interchange- Entscheidung von MasterCard dagegen positiv betroffen. Insgesamt tritt für die Acquirer eine unmittelbare Kostensenkung in Höhe von ca. 27 Mio. Euro p.a. ein. Für das gesamte Kartengeschäft (Issuing- und Acquirer-Seite) führt die Interchange- Entscheidung also per Saldo zu einer Einnahmenreduzierung von ca. 28 Mio. Euro p.a. In welchem Ausmaß und wann die Kostensenkung auf der Acquirer-Seite an die Händler weitergegeben wird, bleibt abzuwarten. Eine vollständige Weitergabe würde die Entgelte des Händlers für die Kartenakzeptanz von Maestro und MasterCard um ca. 3 bis 4% senken. hgodschalk@paysys.de www.paysys.de Hintergrunginfo: Interchange-Entgelte sind Entgelte, die von den Händler-Banken („Acquirer“) zu den kartenherausgebenden Banken („Issuer“) für Einkaufstransaktionen mit der Kredit- oder Debitkarte fließen.  

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